Benötigtes Werkzeug
Siehe Artikel für vollständige Werkzeugliste und Materialangaben.
Notaus-Schalter nachrüsten: Schnell-Abschaltung für Maschinen
Dieser Artikel kann Affiliate-Links enthalten. Wenn du über diese Links einkaufst, erhalten wir möglicherweise eine kleine Provision — ohne Mehrkosten für dich. Das hilft uns, weiterhin kostenlose Inhalte zu erstellen.
Eine Tischkreissäge mit rotierendem Sägeblatt braucht im Notfall maximal 0,3 Sekunden, um vom Vollschnitt zum Stillstand zu kommen, die meisten Heimwerker-Maschinen schaffen ohne Bremse zwischen 8 und 15 Sekunden Auslauf. In diesen Sekunden kannst du mit der Hand nicht mehr eingreifen, du brauchst eine elektrische Unterbrechung der Stromzufuhr. Ein Notaus-Schalter mit Schaltschütz nach EN ISO 13850 kostet komplett etwa 65 bis 95 Euro, ist in 90 Minuten nachgerüstet und reduziert die Verletzungs-Wahrscheinlichkeit erheblich. Wer Maschinen ohne Notaus betreibt, ältere Felder TKS 50, Holzmann TS 250, viele Bandsägen aus den 90ern, sollte das Nachrüsten zum Pflichtprogramm machen.
Was Notaus nach EN ISO 13850 wirklich bedeutet
Der Begriff „Notaus" wird umgangssprachlich für jeden roten Pilztaster verwendet, formal korrekt ist aber „Notausschaltung" (Stop-Kategorie 0 oder 1 nach EN ISO 13850). Stop-Kategorie 0 bedeutet sofortige Trennung der Energiezufuhr, Stop-Kategorie 1 kontrollierter Halt mit anschließender Energie-Trennung. Für die Heimwerkstatt ist meist Kategorie 0 ausreichend, weil das nachlaufende Sägeblatt durch Reibung sicher stehen bleibt.
Die Norm fordert drei Eigenschaften: Erstens rasterndes Verhalten, der Pilztaster bleibt nach dem Drücken eingerastet und muss durch Drehen oder Ziehen entriegelt werden. Zweitens rote Farbe auf gelbem Hintergrund nach EN ISO 13850, damit er auch bei Panik sofort erkennbar ist. Drittens Vorrang vor allen anderen Funktionen, also ein direkter Eingriff in die Stromversorgung, nicht über eine Software-Steuerung.

In der Heimwerkstatt gilt zwar streng genommen keine DGUV-Pflicht (das ist Arbeitgeber-Recht), aber die Versicherer schauen bei Schadensfällen genau hin. Eine umgebaute Maschine ohne Notaus kann bei einem Schadenfall zu einer Mitschuld-Bewertung führen, und damit zur teilweisen Leistungs-Verweigerung der Haftpflicht.
Komponenten und Hardware-Auswahl
Du brauchst drei Hauptkomponenten: einen Pilztaster nach EN ISO 13850, ein Schaltschütz (oft auch „Motorschutz-Relais" genannt) mit Niedrigvolt-Steuerung und ein passendes Gehäuse, in das du beides einbaust. Plus Kleinteile wie Kabel-Verschraubungen, Aderendhülsen und etwa 2 bis 3 Meter dreiadriges Kabel.
Pilztaster: Eaton M22-PV oder Schneider Harmony XB7 sind die Standards für kleines Geld (etwa 18 bis 28 Euro), mit zwei Schließer-Schließer-Kontakten und rasterndem Verhalten. Achte auf das Symbol „IEC 60947-5-5" oder „EN ISO 13850" auf dem Datenblatt, nur dann darfst du das Wort „Notaus" verwenden.
Schaltschütz: Eaton DILEM-10 oder Siemens 3RT2015 in 230-V-Spulen-Ausführung, etwa 22 bis 35 Euro. Wichtig ist die richtige Schaltleistung, für einen 1,8-kW-Sägemotor brauchst du mindestens 9 Ampere Schaltvermögen, besser 12 Ampere. Für Drehstrom-Maschinen (400 V) brauchst du einen Drei-Phasen-Schütz mit 400-V-Spule oder 24-V-Steuerung.
| Komponente | Hersteller/Typ | Preis |
|---|---|---|
| Pilztaster | Eaton M22-PV | ~22 € |
| Schaltschütz 230V | Eaton DILEM-10 | ~28 € |
| Aufputz-Gehäuse | Hensel KV 1502 | ~15 € |
| Kabel H07RN-F 3×1,5 | 3 Meter | ~9 € |
| PG-Verschraubungen + Aderendhülsen | Set | ~7 € |
Verdrahtung Schritt für Schritt
Die Grundschaltung ist die Selbsthaltung mit Notaus-Vorrang: Der Schütz wird über einen Start-Taster (grün) bestromt, hält sich selbst über einen Hilfskontakt, und der Notaus-Taster (rot) unterbricht diese Haltung. Sobald Notaus gedrückt ist, fällt der Schütz ab und die Maschine ist stromlos.
Praktischer Aufbau: Du baust den Schütz und die zwei Taster in ein Aufputz-Gehäuse (Hensel KV 1502 oder ähnlich, etwa 15 Euro). Das Gehäuse montierst du in Reichweite der Maschine, idealerweise links vom Bediener. Der Maschinen-Hauptschalter bleibt erhalten, du klemmst nur die Zuleitung um, vor den Hauptschalter kommt jetzt der Schütz.
- 1. Stromzufuhr trennen, Sicherung raus, mit Phasenprüfer kontrollieren, Spannungsfreiheit verifizieren.
- 2. Zuleitung der Maschine auftrennen, neue Leitung zum Schütz-Gehäuse verlegen (H07RN-F 3×1,5 mm² für 230 V, 5×1,5 mm² für 400 V).
- 3. Schütz im Gehäuse montieren, Phase (L) auf Klemme 1, Neutralleiter (N) auf Klemme 2, Abgang zur Maschine auf Klemme 3 und 4.
- 4. Steuerleitung: Phase über Notaus-Öffner (Kontakt 11-12) auf Start-Schließer (13-14), parallel dazu Hilfskontakt des Schützes für Selbsthaltung.
- 5. Spule des Schützes (A1-A2) zwischen Steuerleitung und Neutralleiter klemmen.
- 6. Funktionstest: Strom einschalten, Start drücken, Schütz zieht an. Notaus drücken, Schütz fällt ab. Entriegeln und neu starten.

Einbau und Positionierung am Werkzeug
Die Position des Notaus-Tasters entscheidet, ob er im Ernstfall überhaupt erreichbar ist. Standard-Vorgabe: maximal 60 Zentimeter vom typischen Arbeitsstand entfernt, in Hüfthöhe (95 bis 115 cm Bodenabstand), seitlich vom Bediener. Bei Tischkreissägen kommt der Taster meist links neben der Säge an einen separaten Pfosten oder direkt an der Anschlag-Verkleidung.
An Abrichthobeln und Bandsägen ist die Position kritischer, der Bediener steht beim Hobeln seitlich vor der Maschine, beim Bandsägen direkt vor dem Sägeblatt. Hier brauchst du oft zwei Notaus-Punkte: einen am Hauptbedienstand und einen am Auslauftisch. Beide werden in Reihe geschaltet, ein Druck auf einen der Taster stoppt die Maschine.
Achte auf die Kabelführung: Steuerleitungen für die Notaus-Schaltung müssen mechanisch geschützt sein (Kabelkanal, Stahlpanzerschlauch oder Wellrohr), damit sie nicht von Spänen oder Werkstücken abgeschlagen werden. Eine durchtrennte Steuerleitung würde wie ein gedrückter Notaus wirken, das ist im Sinne der Norm (Fail-Safe), aber praktisch nervig wenn deine Säge ständig ohne Grund stoppt.
Funktionstest und regelmäßige Prüfung
Nach der Installation und vor dem ersten echten Einsatz machst du einen Vollfunktions-Test mit der Maschine unter Last. Sägeblatt drehen lassen, Notaus drücken, Auslauf-Zeit messen, eine Tischkreissäge mit 250-mm-Blatt sollte innerhalb von 10 bis 15 Sekunden komplett stehen, eine Bandsäge etwas länger. Sind die Zeiten deutlich höher, hast du vielleicht die falsche Schütz-Stärke oder einen Kontaktfehler.
Wiederholungsprüfung: Einmal pro Monat den Notaus betätigen und sicherstellen, dass er rastet und die Maschine zuverlässig stoppt. Einmal pro Jahr die Verdrahtung kontrollieren (Schraubklemmen nachziehen, Kabel auf Beschädigung prüfen). Im gewerblichen Bereich ist eine VDE-0701-Prüfung alle 6 bis 12 Monate Pflicht, im Hobby-Bereich Empfehlung.
Wer Maschinen ohne CE-Konformitäts-Erklärung umrüstet (alte Geräte aus den 80ern oder selbstgebaute Vorrichtungen), sollte zusätzlich eine Risikobeurteilung nach EN 12100 schriftlich anfertigen. Das klingt aufwändig, ist aber im Versicherungsfall der Beweis, dass du dir Gedanken gemacht hast. Vorlagen findest du bei der DGUV oder der TÜV-Akademie kostenlos.
Häufige Fehler und teure Irrtümer
Der häufigste Fehler ist die Nutzung eines normalen Kipp- oder Drehschalters als „Notaus". Ein Schalter ohne Rast-Verhalten ist kein Notaus, er bleibt nicht eingerastet, kann versehentlich wieder eingeschaltet werden und entspricht nicht der Norm. Der zweite Fehler ist die direkte Schaltung der Last (Motor-Strom) durch den Notaus statt über einen Schütz. Pilztaster sind für 6 bis 10 Ampere ausgelegt, ein 2,2-kW-Motor zieht im Anlauf bis zu 35 Ampere und schmilzt die Kontakte zusammen.
Ein dritter Klassiker: Der Notaus wird hinter dem Hauptschalter verbaut. Damit kann der Hauptschalter den Schaltschütz dauerhaft mit Strom versorgen, der Notaus löst aber nur den Steuerstromkreis, die Maschine bleibt unter Spannung. Korrekt ist die Reihenschaltung: Hauptschalter → Schütz → Maschine, und der Notaus unterbricht den Steuerstrom des Schützes.
Wer komplette Lösungen statt Selbstbau bevorzugt, findet bei Holzmann, Felder oder Sautershop fertige Notaus-Boxen mit Schütz, Taster und Gehäuse für etwa 130 bis 220 Euro. Die machen Sinn, wenn du nicht selber löten oder schrauben willst, auf die Funktion und die Norm-Konformität haben sie kaum Auswirkungen. Für die Bohrmaschine und kleine Stichsägen brauchst du keinen Notaus, die schalten beim Loslassen ohnehin ab. Notaus-Pflicht in der Heimwerkstatt: Tischkreissäge, Bandsäge, Abrichthobel, Drechselbank, Fräse, alles mit Eigenlauf über 3 Sekunden.
Sicherheitshinweis
Trage bei allen Arbeiten geeignete Schutzausrüstung. Beachte die Sicherheitshinweise der Werkzeughersteller.
Veröffentlicht durch die WerkstattMagazin-Redaktion. Veröffentlicht am 28. Oktober 2026.
Verantwortlich i.S.d. § 18 MStV: siehe Impressum.
Fehler entdeckt oder ergänzende Erfahrung? korrektur@werkstattmagazin.de
Werkstatt-Tipps direkt ins Postfach
Neue Tests, Anleitungen und Projekt-Ideen — kein Spam, jederzeit abbestellbar.
🎁 Gratis dazu: Werkstatt-Einrichtungs-Checkliste (PDF)
Das könnte dich auch interessieren
Holzdübel selber machen: Dübelschneider und Technik
Gekaufte Holzdübel sind Massenware aus Buche oder Birke — wer eigene Dübel schneidet, kontrolliert Holzart, Faserrichtung und Toleranz. Was du brauchst und wie's funktioniert.
Tischkreissäge unter 500 Euro: 5 Modelle im Vergleich
Fünf Tischkreissägen zwischen 280 und 499 Euro im direkten Vergleich. Schnittdaten, Parallelanschlag-Präzision und für welchen Einsatz welches Modell passt.
Flachdübelfräse: Schnelle Plattenverbindungen mit Lamello
Die Lamello Classic X kostet 1.250 EUR — Festool DF 500 liegt bei 680 EUR. Wann sich die Investition lohnt und welche Alternative für unter 200 EUR ausreicht.